
Achtsam sind wir, wenn wir mit uns selbst in Verbindung bleiben. Es mag paradoxal klingen, denn die Achtsamkeit wird doch auf die gegenwärtige Aktion oder seinen Gegenüber gerichtet.
Wie ist das also möglich, vollkommen bei der Sache oder bei jemandem zu sein, wenn ich ganz bei mir bin? Und wie kann ich gleichzeitig bei mir und beim anderen sein?
Tatsächlich, bezeichnet Achtsamkeit die Fähigkeit, bei sich bleiben zu können, sich selbst und seiner inneren Welt vollkommen bewußt zu werden um sich von seiner Umwelt und alldem was sie umfasst abzugrenzen, zu unterscheiden. Wenn mir dieses Bewusstsein für mich selbst in diesem Ausmaß gelingt, so kann ich tatsächlich die Welt und die Menschen um mich herum vollkommen wahrnehmen, ohne mich mit ihnen zu identifizieren oder sie mit mir zu verwechseln.
In der Achtsamkeit findet keine Projektion statt, sondern eine Reflexion. In der Projektion beziehe ich alles auf mich, mache mir selbst zum Mittelpunkt der Welt, die ich dann nach meinem inneren Empfinden interpretiere. In der Reflexion, beziehe ich mich immer auf mich selbst und weiß dadurch, dass alles was mich betrifft aus mir herauskommt. Die Welt mag Eindruck auf mich machen, dennoch bin ich derjenige, der diese Eindrücke mit Emotionen belastet.
Meine Umwelt existiert unabhängig von mir, ob ich mit dieser interagiere oder nicht. Umgekehrt stimmt das aber nicht. Ich selbst existiere nicht ohne meine Umwelt. Ich existiere IN dieser Welt. Ich bin eine Welt in dieser Welt. Ich bin der Mittelpunkt meiner inneren Welt, nicht aber der äußeren Welt.
Schenke ich meiner inneren Welt die nötige Achtsamkeit, so bin ich mir selbst bewusst und grenze mich von meiner Umwelt ab, die ich dann ebenfalls als selbst existierend wahrnehmen kann. Wir existieren beide nebeneinander, gehen in einer Beziehung zueinander und in ihrer Neutralität, zeigt sich die Welt so wie ich sie sehen will. Mein Selbstbewusstsein kann nicht entstehen, wenn ich Opfer der Umstände werde. Dies ist der Fall, wenn ich fest davon überzeugt bin, daß ich die Welt so sehe wie sie tatsächlich ist, wo sie in Wahrheit so ist, wie ich sie gerne sehe.
Achtsam bin ich also, wenn ich die Welt von der persönlichen Wahrnehmung, die ich von ihr habe, unterscheiden kann. Achtsam bin ich mit meinem Nächsten, wenn ich seine Gefühle von den Gefühlen, die er in mir auslöst, unterscheide.
Achtsamkeit wird mit „Aufmerksamkeit“ aber auch mit „vollkommenes Bewußtsein“ auf französisch übersetzt. Ich glaube nämlich, dass ich meine Aufmerksamkeit erst jemandem wahrhaftig schenken kann, wenn ich mir selbst möglichst bewusst bin. Und das ist wahrhaftige Achtsamkeit.